Friedensgebet auf dem Weg „Wasser ist Leben“

Pressetermin zur Einladung zum Friedensgebet – bei Sonnenschein

Beim Friedensgebet selbst schickte der Himmel passend zum Thema „Wasser ist Leben“reichlich Wasser von oben …

Zu Beginn des Friedensgebets hieß Pfarrer Achim Riggert zahlreiche Gläubige unterschiedlicher Religionen und Konfessionen willkommen.

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer ging in seinem Grußwort nahe des Brunnens auf dem Rathausplatz auch auf die katastrophalen Auswirkungen der Flut im Märkischen Kreis und in den anderen Teilen Westfalens und von Rheinland Pfalz ein.

Hella Goldbach und Achim Riggert trugen Gedanken und Texte aus der jüdischen Tradition in Bezug zum Thema „Wasser“, vor.
Für musikalische Zwischentöne sorgten Amelia und Aleksandra Hamann, die – gut beschirmt – sich nicht vom Regen irritieren ließen.

Am K.T. Neumann-Brunnen am Sternplatz sprachen der neue Imam der DITIB-Gemeinde, Sami Esentürk, und der Vorsitzende der Ahmaddiya-Gemeinde, Cengiz Varli, Texte und Gebete aus der muslimischen Tradition.

An einem Hausbrunnen in der Luisenstraße stellten Frank Droste und Stefan Schick (Ev. Kirchenkreis) die Menschenrechte im Bezug zum Wasser in den Mittelpunkt ihrer Beiträge.

Sonnenschirme der Außengastronomie boten den Mitwirkenden und Zuhörern etwas Schutz vor dem Dauerregen am Brunnen auf dem Graf-Engelbert-Platz in der Oberstadt.
Über die Auswirkungen des Klimawandels auf den südpazifisischen Inselstaat Vanuatu sprachen Christa und Erhard Bätz an dieser Stelle. Die Folgen des Klimawandels – steigender Meeresspiegel, Versalzung des Grundwassers, Stürme und Starkregen – bedrohen das Leben der Menschen dort bereits heute massiv.


Unweit davon ging Mechthild Börger (Katholische Kirche) am Waldemar-Wien-Brunnen vor der Erlöserkirche auf die Bedeutung des Wassers für die christliche Taufe ein. Dort, wie auch an den vorhergehenden Brunnen, ließen die Geschwister Hamann unbeirrt ihre Instrumente erklingen und erfreuten die Beteiligten.

Zum Abschluss des Friedensgebetes fand sich die Runde an der Bodenintarsie „Engel der Kulturen“ am Alten Rathaus ein. Pfarrer Martin Ahlhaus leitete dort die zum Thema des Friedensgebets passende Symbolhandlung: jedem Teilnehmenden wurde mit den Worten „Shalom, Salam, Friede“ eine Tasse mit Wasser zum Trinken gereicht.
Als Vertreter des Evangelischen Kirchenkreises sprach Synodalassessor Martin Pogorzelski den Schlusssegen.

Artikel in den Lüdenscheider Nachrichten am 8.10.2021 von Monika und Jakob Salzmann:

Beispiele der Ansprachen und Gebete

Hella Goldbach:

                                      Wasser im Judentum      

Fast jede jüdische Gemeinde besitzt eine Mikwe. Es ist eine Quelle mit fließendem Wasser. Dieses Wasser kann eine Quelle sein oder auch Regenwasser. Das Wasser ist Sinnbild für den Beginn der Schöpfung. Ein

Mensch, der sich verunreinigt hat, kann sich nichts Besseres vorstellen

als dass er zum Ursprung des Lebens zurückkehren kann. Durch das Untertauchen in der Mikwe, sinnbildlich die Quelle der Schöpfung, wird der Jude symbolisch neu geboren und von jeder Spur von Unreinheit befreit. Eine Jüdin, die heiraten will, muss, bevor sie heiratet, vollkommen rein sein. Für dieses rituelle Bad trägt sie keinen Schmuck, noch nicht einmal eine Haarnadel in ihrem Haar. Oder Nagellack, denn zwischen ihrem Körper und dem Wasser könnte sonst eine Trennung sein. Beim Eintauchen muss sie darauf achten, dass ihr gesamter Körper mit dem Wasser berührt wird. Dieses Ritual führt sie dreimal durch und spricht folgenden Segensspruch: „Gelobt seist du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat durch Deine Gebote und uns befohlen hast, unterzutauchen.“

In 3.Mose 15,13 lesen wir: „Und wenn er rein wird von seinem Fluss,

so soll er sieben Tage zählen, nachdem er rein geworden ist, und dann seine Kleidung waschen und sich mit frischem Wasser abwaschen, so ist er rein.“

Gebet: „Du läßt Wasser in den Tälern quellen, dass es zwischen den Bergen dahinfließt, dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst stille. Du befeuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffst.“

Cengiz Varli:

Bismillahirrahmanirrahim Im Namen Allahs, des Gnädigen, des immer Barmherzigen
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
im Namen der Ahmadiyya Muslim Gemeinde grüße ich Sie ganz herzlich zu unserem Friedensgebet zum Thema Wasser.
Bekannterweise ist Wasser die Lebensgrundlage aller Menschen, Tiere und Pflanzen.
Laut dem Islam sind alle Lebewesen aus Wasser entstanden.
„Und Allah hat jedes Lebewesen aus Wasser erschaffen. Unter ihnen sind manche, die auf ihren Bäuchen gehen, und unter ihnen sind manche, die auf zwei Beinen gehen, und unter ihnen sind manche, die auf vieren gehen. Allah schafft, was Er will. Wahrlich, Allah hat Macht über alle Dinge“ (Quran 24:46)
Diese Tatsache wird nochmal durch die moderne Wissenschaft bestätigt.
71 % der Erde (29 % Land) besteht aus Wasser und nur etwa 0,02 % der Wasservorräte stehen als Trinkwasser zur Verfügung.
Tiere und Menschen bestehen aus 60-70 % aus Wasser.
Da für Menschen, Tiere und Pflanzen das Wasser lebensnotwendig ist, wäre es nicht übertrieben, wenn man sagt: „Wasser ist wertvoller als Gold.“
Hinzu kommt die Wichtigkeit des Wassers im Haushalt, in der Landwirtschaft, Industrie und vor allem im Bereich der körperlichen Hygiene.
Für einen Muslim hat das Wasser einen hohen Stellenwert. „Sauberkeit bzw. Reinheit ist der halbe Glaube“ (Muslim), sagte der Heilige Prophet Muhammad, Frieden und Segnungen Allahs seien auf ihm. Und dafür ist Wasser vonnöten.
Auch für die Vollziehung der rituellen Waschung vor den fünf täglichen Gebeten ist Wasser notwendig.
Neben der körperlichen Hygiene hat Wasser im Islam auch eine symbolische Bedeutung in Bezug auf die fünf täglichen Gebete.
Der Heilige Prophet Muhammad (saw) machte darauf mit folgender Fragestellung aufmerksam:
„Wenn vor eurem Haus ein Fluss wäre und ihr euch fünfmal darin baden würdet, würde dann irgendein Dreck an eurem Körper zurückbleiben? (…)“ (Buhari)
Das heißt also, dass ein Muslim, eine Muslima, so regelmäßig vertieft in Gott beten soll, dass die Seele und die Gedanken vor üblen Dingen gereinigt wird.
Die Mutter eines der Gefährten des Heiligen Propheten Muhammad, Sa´d bin Ubade, war verstorben.
Daraufhin ging Sa`d zum Heiligen Propheten Muhammad und fragte ihn:
„O Prophet Gottes, meine Mutter ist verstorben. Darf ich in ihrem Namen Almosen (Sadaka) geben?“
Der Heilige Prophet bejahte diese Frage.
Sa´d fragte erneut: „Welche Art von Almosen gilt als segensreichste und wertvollste?“
Muhammad, Frieden und Segnungen Allahs seien auf ihm, antwortete: „Das Wasserbedürfnis der Menschen und der Tiere zu stillen.“ (Ibni Mace)
Daraufhin errichtete Sa´d in Medina einen Brunnen, der lange Zeit der Menschheit und anderer Lebewesen zugute kam.
Zum Schluss ein Hinweis und eine Ermahnung aus dem Heiligen Quran, dem Wort Gottes, wo Allah sagt:
„O Kinder Adams, leget euren Schmuck an (zu jeder Zeit und) an jeder Stätte der Andacht, und esset und trinket, doch überschreitet das Maß nicht; wahrlich, Er liebt nicht die Unmäßigen“ (Quran 7:32)
Allgemeine, umfassende Gebete des Heiligen Propheten Muhammad (saw):
„0 Allah, ich trachte nach Deiner Liebe sowie nach der Liebe jener, die Dich lieben; und ermögliche es mir, Taten zu vollbringen, die es mir ermöglichen, Deine Liebe zu er- langen.“ (Tirmiḏī)
„O Allah, bringe mich dazu, die Liebe zu Dir allem vor- zuziehen; eingeschlossen mich selbst, meinen Besitz, meine Familie, ja sogar kühles Wasser.“ (Tirmiḏī)
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
Cengiz Varli (0163-6343100)
Ahmadiyya Muslim Gemeinde Lüdenscheid

Stefan Schick am Hausbrunnen in der Luisenstraße:

Das Menschenrecht auf Wasser
Das Recht auf ein „einwandfreies und sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung“ ist ein Menschenrecht. Das erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 28. Juni 2010.
Es sei „unverzichtbar für den vollen Genuss des Lebens und aller Menschenrechte“, heißt es in der Resolution, der 122 Staaten im Sommer 2010 zustimmten. 41 Länder enthielten sich.
Sauberes Trinkwasser und eine sanitäre Grundversorgung sind nicht nur Menschenrechte, sondern auch Teil der Menschenwürde und der Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung. In vielen Teilen der
Welt ist das Menschenrecht auf Wasser jedoch eher Wunschvorstellung als Realität.
663 Millionen Menschen auf der Welt, so schätzen UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation, haben noch immer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,4 Milliarden Menschen müssen weiterhin ohne
Toiletten oder Latrinen auskommen. Trotz Fortschritten in der Wasserversorgung sterben noch immer täglich 10.000 Menschen an Erkrankungen, die durch verschmutztes Wasser verursacht werden.
In Afrika südlich der Sahara dauert der Weg zu einer Wasserquelle im Durchschnitt mehr als 30 Minuten. Meist müssen ihn Mädchen und Frauen gehen, die so Zeit für Bildung und bezahlte Arbeit verlieren und sich zusätzlich Gefahren aussetzen.
Aber nicht nur eine schlechte Trinkwasserversorgung oder mangelhafter Zugang zu sanitären Anlagen stellen ein Problem dar. Auch Landraub, Wasserraub und Privatisierung von Wasser spielen eine starke
Rolle in Ländern des globalen Südens und Nordens. In vielen Ländern fehlen Regionalorganisationen und ähnliche Strukturen wie in der Europäischen Union, die Wasser als öffentliches Gut erhalten wollen
und können. Kommt zu der bereits prekären Lage bei sauberem Trinkwasser und sanitärer Versorgung auch noch die Privatisierung von Wasser hinzu, führt das dazu, dass vielen Menschen ihr Menschenrecht auf Wasser verwehrt bleibt.
Eine menschenrechtliche Wasserpolitik muss nachhaltig sein, damit auch die noch zahlenreichere Weltbevölkerung von morgen ihr Recht auf trinkbares Wasser und Abwasserversorgung wahrnehmen kann. Und sie muss eine Balance mit anderen menschenrechtlichen Belangen wahren.

Gebet: Herr, wir bitten dich, für die Menschen, die kaum oder nur ungenießbares, krankmachendes Wasser zur Verfügung haben, stehe ihnen bei und gib ihnen Kraft.
Wir bitten dich für uns, dass wir das Wasser aufmerksam nutzen und nicht verschwenderisch damit umgehen.
Wir bitten dich um Ideen und Tatenkraft für eine gerechtere Verteilung der kostbaren Ressource Wasser.
Amen


Christa und Erhard Bätz:

Am Brunnen auf dem Engelbertz-Platz: Vanuatu

Kennen Sie Vanuatu? Wahrscheinlich kennen sie diesen Inselstaat nicht, der 20000 km von uns entfernt im Pazifischen Ozean liegt. Auch ich kenne den Namen des Staates Vanuatu erst seit diesem Jahr.
Seit über 100 Jahren findet am ersten Freitag im März der Weltgebetstag der Frauen statt.
Jedes Jahr bereiten Frauen aus einem anderen Land diesen Gebetstag vor, und 2021 waren es Frauen aus Vanuatu, die einen Gottesdienst für Frauen in aller Welt vorbreitet haben.
Frauen in aller Welt und sicher auch Männer haben dadurch etwas erfahren über die Lebensumstände der Menschen in Vanuatu. Wasser ist für sie wie für alle Menschen lebenswichtig.
Seit einigen Jahren gibt es jedoch, bedingt durch den Klimawandel, große Probleme:
Das Ansteigen des Meeresspiegels bedroht die Küstenregionen. Die Inseln schrumpfen.
Das Grundwasser in den Küstenregionen wird salzig. Die bisher für die Landwirtschaft wichtigen Regenzeiten verändern sich, immer häufiger gibt es schwere Unwetter, und Starkregen schwemmt Erde samt Saatgut fort. Dazu kommen immer öfter Zyklone, die Bäume entwurzeln und Häuser zerstören.
Die etwa 300 000 Einwohner Vanuatus, die auf 83 Inseln leben, konnten sich bisher von den Früchten ihrer Felder und ein wenig Viehzucht gut ernähren. Nun aber ist ihr Leben durch die Folgen des Klimawandels bedroht.

Gebet
Barmherziger Gott, wir sind entsetzt, was unser westlicher Lebensstil bei diesen daran unschuldigen Menschen anrichtet. Wir wissen, dass wir unsere Art zu leben ändern müssen. Wir müssen lernen, nachhaltig zu leben. Aber es fällt uns schwer, auf unseren gewohnten Komfort zu verzichten. Aber wir zerstören die gesamte Schöpfung durch unser egoistisches Verhalten.
Barmherziger Gott, mach du uns bereit zu wirklicher Umkehr. Gib uns Mut und Kraft dazu, die richtigen Schritte zu tun, damit alle Menschen auf dieser Erde eine lebenswerte Zukunft haben.
Wir wollen dich auch in Zukunft zusammen mit allen, die an dich glauben, für deine gute Schöpfung loben können. Amen